V o r r e d e.

da in unserem Jahrhundert alles, was nur auf entfernte Art einer Reisebeschreibung ähnlich ist, durch dienstfertige Uebersetzer auf deutschen Grund und Boden verpflanzt wird; so ist es zu bewundern, wie Nugents Briefe so ganz übersehen worden sind. Vielleicht mag die ermüdende Weitschweifigkeit, vielleicht auch die vielfältigen Irrthümer des Verfassers die Ursache seyn, weswegen diese Briefe, die doch das deutsche Publikum intereßiren, grade für deutsche Leser verborgen geblieben: indessen dünkt mich, sind diese Fehler nicht von so grosser Erheblichkeit, daß man deswegen ein Buch der Vergessenheit übergeben wollte, das in aller Absicht unterhaltend und belehrend ist. Holland hat dankbarer die Mühe des Verfassers vergolten, denn wir haben von diesen Briefen einen feinen Auszug in holländischer Sprache; warum sollte Deutschland unerkenntlich bleiben?

    Wir haben noch immer viel zu wenig genaue Beschreibungen von Deutschland selbst; und es ist bekannt, daß wir oft fremde Welttheile besser kennen als unser eignes Vaterland.

    Diese Betrachtungen, und das Zureden des Herrn Verlegers, eine Arbeit zu übernehmen, worüber er nun den Beyfall oder den Tadel des Publikums geduldig erwarten muß. Gegenwärtige Briefe betreffen hauptsächlich Meklenburg; eine gewisse Vorliebe für dies Land, und viele Verbindungen und Bekanntschaften, die der Uebersetzer dort, theils mit Personen, theils auch mit den Oertern gemacht, die N. besucht hatte, machten die Idee noch lebhafter, dem Engländer ein deutsches Gewand anzuziehen; nur mußte dies freylich auf alle Art vollkommen passen, und auch für die Mode dieses 1781sten Jahres richtig zugeschnitten seyn. Ob dieser Zuschnitt vollkommen gerathen ist, mag jeder unbefangene Leser selbst beurtheilen. Wenigstens hat der Uebersetzer sich keine Mühe verdrießen lassen, alles Weitläufige Unnütze und Ermüdende des Vortrags, so gut es sich thun ließ, heraus zu schneiden, und alle Veränderungen, die sich seit der Durchreise des Verfassers bis izt zugetragen, aufs genaue anzumerken; Lezteres wenigstens so genau, als ihm die aus Meklenburg mitgetheilten Nachrichten dazu in Stand sezten. Vielleicht ist hie und da noch nicht alles so völlig berichtigt, aber die Eile, da das Manuscript zur Ostermesse abgedruckt seyn sollte, die Entfernung des Uebersetzers, und die von den verschiedenen Orten ihm zugeschickten oft widerstreitenden Nachrichten werden hinreichende Entschuldigung seyn, wenn hin und wieder noch Kleinigkeiten stehen geblieben, die einer Berichtigung bedürfen. Uebrigens verspricht der Uebersetzer auf Ehre, im zweyten Bande, der ohnehin der wichtigste ist, alles nachzuholen.

    Vielleicht wünscht mancher Leser, den dies Büchlein intereßiren möchte, den englischen Verfasser etwas näher zu kennen. Die Veranlassung zu seiner Reise erzählt er im ersten Briefe selbst, nemlich Nachrichten zum zweyten Theil seiner History of Vandalia zu sammeln, wovon der erste Theil bereits verschiedene Jahre vor seiner Reise nach Deutschland herausgekommen war, und wegen der mannigfaltigen darinn vorkommenden Irrthümer vom Publikum eben nicht mit grossem Beyfall aufgenommen ward. Dies Unternehmen macht gewiß dem Geist eines Engländers Ehre, und gegenwärtige Brief sind in der That mit Beobachtungsgeist geschrieben. Seine Reflexionen über den ökonomischen und politischen Zustand sind, besonders im zweyten Theil, für Meklenburg interessant; ein Patriot findet reichen Stoff zu weiterm Nachdenken. Die Schilderungen der Charaktere einzelner Personen sind. so wie man es von einem Engländer nicht anders vermuthen kann, frey, oft zu dreist, oft in Lob oder Tadel zu sehr übertrieben. Beydes hat der Uebersetzer, so gut es sich thun ließ zu mäßigen gesucht.

    Übrigens hat der Verfasser die Früchte seiner Bemühungen, wofür Meklenburg ihm besonders dankbar seyn sollte, nicht einerndten können. Bald nach seiner Rükkunft nach England stellten sich seine rheumatischen Beschwerden, worüber er schon im ersten Brief klag, wieder ein; und der Tod übereilte ihn, eh er den zweyten Theil seiner Geschichte ans Licht stellen konnte. Leute, die ihn gekannt haben, rühmen sein gefälliges, nachgebendes Temperament, wodurch er sich vorzüglich auf seinen Reisen so viele Freunde erworben. Auch nach seiner Rükkunft haben ihn Meklenburger in London besucht, die er mit der liebreichsten Freundschaft aufgenommen hat, welches, wie man sagt, bey den Engländern sehr was seltenes seyn soll, indem ihr Nationalstolz sie andre Nationen verachten lehrt, sobald sie wider in ihrem Vaterland sind, und des Beystands der Fremden nicht mehr bedürfen.

Geschrieben im März des Jahres 1781.

[zu den einzelnen Briefen]